Architecture now! 3

Ergänzungen: Mit zahllosen Bildern, vielen Skizzen, Grund- und Aufrissen
Autor: Jodidio, Philip
Thema: Bildende Kunst
Alter: - Bücher für Erwachsene
Verlag: Taschen Verlag
Ort: Köln
Jahr: 2008
Seiten: 352
Bindung: Broschur
ISBN: 9783836503143
Preis in Euro: 9.99
Preis in Schweizer Fr.: 18.90
Rezensent: Rainer Glas
Datum publiziert: 13.08.2008

Rezensionstext:

So hinreißend das Konzept dieser Reihe des Fachautors Jodidio ist, so uneinheitlich und deshalb dunkel ist die Reihung der Architecture-now!-Bände. Glaube keiner, dass auf Band 5 etwa Band 6 folgen müsste. Nein, es kommt Band 3, im Januar 2008 zum 25-jährigen Jubiläum des Verlags erschienen. Gratulation! Aber dann stellt sich heraus, dass die Originalausgabe schon 2004 und erst jetzt die dreisprachige (englisch, französisch, deutsch) Fassung in Köln erschienen ist. Wie bei Band 2 ist der Einband nicht flexibel und das Format etwas verkleinert (25x19 auf 22x17cm). Dies ist schade, weil die durchwegs hervorragenden Bilder ein größeres Format gut vertragen würden.

Am Konzept hat sich nichts geändert: 45 Bauten werden mit den Architekten bzw. Büros in Bildern und knappen Texten vorgestellt. Gelegentlich ergänzen Skizzen sowie Grund- und Aufrisse die Darstellung. Dabei wird deutlich, dass der Autor und die Fotografen zusammengearbeitet haben; denn Text und Fotos korrespondieren miteinander. Der Auswahl der Architekten liegen verschiedene Überlegungen zugrunde. Zum einen geht es darum, ein Jahrbuch der herausragenden Bauten herauszugeben. Dann sollten die berühmtesten Architekten nicht zu kurz kommen. Und schließlich spürt Jodidio neueren Tendenzen der Architektur nach, die er mit den ausgewählten Beispielen belegen will.

Der Autor sieht (2004!) das Ende des Modernismus gekommen. Er begründet diese Entwicklung mit der zunehmenden Digitalisierung nicht nur der Entwürfe, sondern auch der Produktion: Eine Fassade bestand früher, begründet durch zeitliche und finanzielle Ökonomie aus einer Vielzahl gleichförmiger Elemente, die in maschineller Produktion gewonnen wurden. Heute ist die Digitalisierung der maschinellen Produktion so weit fortgeschritten, dass jedes Element einer Produktion eine jeweils andere Form haben kann. "Die euklidischen Formen bleiben vielleicht, aber die Gussform ist zerbrochen", so Jodidio. Heute "gießt" der Computer jedes einzelne Werkstück ohne Gussform neu.

Eine zweite Tendenz sieht Jodidio in vielen neuen Bauten: Sie werden nicht nur in die Natur hineingestellt und beziehen ihren Wert auch aus der Natur-Umgebung. Vielmehr schaffen die Architekten künstliche Naturen, also mit ihren Bauten Landschaften, welche die Natur nicht nur nachbilden, sondern neu interpretieren. Freilich relativiert Jodidio seine Behauptung, dass eine Epoche oder Richtung zu Ende gegangen ist, denn es gibt, wie er meint, nicht mehr einen Stil. Es gebe unglaublich viele und sie ließen sich nicht mehr in einem Schlagwort zusammenfassen. Gemeinsamkeiten seien nur mehr über die Möglichkeiten der Planungs- und Produktionsprozesse wahrzunehmen.

Erfreulich an der Auswahl ist auch, dass Jodidio sich nicht nur auf die spektakulären Bauten besinnt, sondern auch dem kleinen Wohnhaus, dem Dachgeschoßausbau, der Bodega seine Aufmerksamkeit schenkt und das jeweils Besondere (Idee, Material, Einbindung in die Natur, Architektur als Skulptur) hervorhebt. Ein wunderschönes Bilderbuch, mit gescheiten Texten unterlegt und zu einem sehr günstigen Preis!



 

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